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TSC Dorste – Alte Herren
[Wikipedia: Die Begriffe Survival oder Survivalismus bzw. Überlebenskunst fassen Fertigkeiten zusammen, die ein Überleben in lebensbedrohlichen Situationen ermöglichen sollen. Anwendung finden dabei verschiedenste Techniken und Hilfsmittel u. a. von Naturvölkern aus aller Welt, um die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wasser und Schutz zu gewährleisten.]
Neue Sparte im TSC erfolgreich gegründet
Erstes Survival-Team lebend zurück!
WINSEN/ALLER Nach Jahren voller Vorgespräche, entwickelter und wieder verworfener Ideen und Konzepte, extrem harter Vorbereitungen (siehe auch Berichte Kanutour 2009
und Radtour 2010) und einer äußerst restriktive Auswahl der toughsten Männer des TSC war es im September diesen Jahres soweit: die Survival-Gruppe absolvierte ihr erstes Trainingscamp in dem nach der
Sahara und dem Himalaya wohl lebensfeindlichsten Landstrich dieser Erde, der Lüneburger Heide.
Auch ein herber Rückschlag kurz vor der Tour, der Ausfall eines Spezialisten für die
Nahrungsbeschaffung, Thomas S., der bei einem letzten, privaten Trainingsabend von einer äußerst aggressiven Wurstdose angegriffen und schwer verletzt wurde, ließ die Mannen um Teamleader Michael B.
nicht von ihrem Vorhaben abrücken, führte aber allen noch einmal die Gefährlichkeit ihres Tuns vor Augen.
13 Männer brachen schließlich an einem frühen, nebelverhangenen Morgen aus dem lieblichen
Sösetal auf, lediglich ausgerüstet mit einem Minimalvorrat an Getränken (siehe Bild), Nahrung, persönlicher Ausstattung, Zelten und Kanus.
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Manch einem wurde beim Blick zurück auf das heimelige Dorste schwer ums Herz, “werde ich meine Liebsten wiedersehen?”. Aber
dann ging ein Ruck durch die Gruppe, “Männer, wir sind gut vorbereitet, wir haben jeden Mittwoch hart an unserer Kondition gearbeitet, wir sind mental richtig eingestellt und wir werden es schaffen - auch wenn
die Örtze kein Ponyhof ist!”. Diese Ansprache von Michael B. verfehlte ihre Wirkung nicht und kam zur rechten Zeit. Mit stahlgrauen Augen, entschlossener Miene und feuchten Tränensäcken wurde das Schicksal in
die Hand genommen.
Entgegen aller Erwartungen kam man auf der berüchtigten A 7 gut voran, lediglich ein Pinkelstopp sorgte für eine kurze Unterbrechung, die Erleichterung war den Akteuren anzusehen.
Nach Ankunft auf dem Campingplatz “Auf der Hude” an der Aller, mit seinem als harten Hund verschrienen Platzwart, Aufbau des Basislagers, Einnahme eines spärlichen Mahls aus Resten von toten Tieren,
Hopfen, Malz und Quellwasser, verlegte man in die sogenannte “Aue des Todes”, der Flussniederung der Örtze.
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...schmales Männerfrühstück
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Hier erfolgte die Aufteilung in vier Teams:
- OHA 3 (“Zerstörer Lütjens”), mit Leutnant zur See Jürgen H. ,Maat Holger W., Bigfoot Ingo D. und Ex-Leichtgewicht Michael D.,
- OHA 4, mit Kapitän Michael B., Schlagmann Thorsten K. und Leichtmatrose Andreas N., - OHA 5, mit Staabsbootmann Michael L., Matrose Lars T. und dem manchmal lieben Helmut W., - OHA 6, mit
Kommunikationsexperte Reza M. (“Please, leave a message after the Piepton”)., Seminarleiter Wolfgang K., und Admiral Blackbeard Hartwig L., der als gar nicht stiller Beobachter die Spartenneugründung
persönlich überwachte. (Diese Einteilung sollte schicksalhaft sein und dem Verlauf der Ereignisse gänzlich unerwartete Wendungen bescheren!)
Irritiert erkannte man, dass zeitgleich eine offensichtlich völlig ahnungslose, schlecht ausgerüstete und aus lauter jungen Frauen bestehende Gruppe, die einen Junggesellinnenabschied beging,
ebenfalls die Örtze befahren wollte. Im scherzhaften Ton geäußerte, aber ernst gemeinte Warnungen wurden von den Ignorantinnen in den Wind geschlagen. Kopfschüttelnd nahmen die Extremsportler des TSC zur Kenntnis,
dass demnächst eine Hochzeit ausfallen würde.
Trügerisch glitzerte die Sonne auf den einsehbaren, baumlosen ersten 50
Metern, die sich als der leichteste Teil der 15 km-Strecke herausstellen sollte, als die Survival-Teams aufbrachen. Erste Hindernisse, schmale Lücken durch herabgestürzte Bäumchen, schnelle Wechsel von Rechts-
und Linkskurven, Sandbänke und eine sich ständig verändernde Strömung rissen die Kanu-Armada bald auseinander.
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Sah schön aus, aber....
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....kaum ein Durchkommen
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Noch war die Stimmung gut, die Provianttonnen mit den lebensnotwendigen isotonischen Getränken gefüllt, die Feuerzeuge
trocken. Das sollte sich bald ändern.
In einer Erinnerung an einen altbekannten Klassiker des Karfreitagprogramms im TV, erhöhte das Boot um Staabsbootmann Michael L.
auf Rammgeschwindigkeit und versenkte mit einem gezielten Stoß das gerade eine wohlverdiente Bierpause einlegende und völlig ahnungslose Team um Kapitän Michael B. - ein in der Militärhistorie beispielloser Akt der
Heimtücke, nur ansatzweise vergleichbar mit der “Dolchstoßlegende”! Immerhin konnte Schlagmann und Proviantbewacher Thorsten K., der Worte seines Leaders “Nicht Frauen und Kinder, das Bier zuerst
retten!” gedenkend, unter Außerachtlassung seiner persönlichen Gefahrenlage die Ausrüstung und damit das Fortbestehen seines Teams sichern.
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...nach dem Rammstoß
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Am Ufer, die eiskalte und tropfnasse Kleidung wechselnd und fadenscheinige Worte der Entschuldigung hörend, konnte man dann Augenzeuge
einer Selbstkasteiung mittels Brennnesseln werden. Noch war das erste Kentern auf eigenes, wenn auch unentschuldbares Tun zurückzuführen, aber auch dieses sollte sich schnellstens ändern. Bäume, teilweise mit
einem Durchmesser von mehr als einem halben Meter, über dem Fluss, im Fluss, quer im Fluss, unter und über dem Wasser, forderten ihren Tribut - alle Teams kenterten, und zwar mehrfach. Vielleicht die besten
Haltungsnoten beim Kentern hätte OHA 5 bekommen, falls man solche Noten hätte vergeben wollen. Beim Anlanden, für eine dringend notwendige Unterbrechung, versuchte Lars T. eine menschliche Brücke zwischen Ufer und
Boot herzustellen. Der Versuch misslang. Seine Arme und Beine waren einfach nicht dehnbar genug. Ganz klar ein Zeichen von verletzungsbedingtem Trainingsrückstand. Und eine Mahnung für die Zukunft – ein
Physiotherapeut muss her!
Etwa nach der Hälfte der Strecke musste zwangsweise eine Pause eingelegt werden, da die Boote an einem Wehr umzusetzen waren. Hier traf man auch die Jungfrauentruppe wieder, die
völlig unverständlicherweise immer noch trocken war - wir beschlossen, dass sie einfach nur Glück gehabt hatten...
Da selbst nach einer langen Wartezeit der “Zerstörer” immer noch nicht
eingetroffen war (freundliche Kanuten berichteten, dass sie 2 km flussaufwärts vier fröhliche Biertrinker gesehen hätten, auf denen unsere abgegebene Beschreibung passte), blieb ein Kanu zurück, um auf die Bummler
zu warten. Die anderen beiden Boote setzen bei einsetzender Dämmerung die Fahrt fort. Jetzt kam der entscheidende letzte Teil der Fahrt, bei dem sich das jahrelange, entbehrungsreiche Training bezahlt machen
sollte. Jetzt sollte sich zeigen, wessen Wille und Körper so gestählt worden war, dass er auch unter schwierigsten Bedingungen, fernab jeder Zivilisation, mit knurrendem Magen, Erpel- und Waschhaut, ohne Kompass und
zu Ende gehenden Getränkevorräten in der Lage war, das rettende Basislager zu erreichen. - Es gelang nur einem Team... –
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...das “Siegerboot”
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OHA 5 schaffte es, indem sie verbotenerweise einen gesperrten Kanal als Abkürzung benutzten. Ihre Ausrede, dass sie alle ihre Lesebrille vergessen und daher das Schild nicht hätten
lesen können, fand nur bedingte Anerkennung durch den von ihnen gerammten und selten nachtragenden Übungsleiter Michael B. bei der Abschlussbesprechung. Erst zwei Schnitzel, eine Krakauer und x Bier später wurde der
Ton versöhnlicher.
Wie aber erging es den anderen Teams?
Der „Zerstörer“, der seinem Namen bereits kurz nach dem Einsetzen alle Ehren machte, indem er das gegenüberliegende Ufer torpedierte,
brach irgendwann, erschöpft, munitionslos und eine Schneise der Verwüstung im Naturschutzgebiet hinterlassend (Regressforderungen zwecks Renaturalisierung der Örtze stehen noch aus), das Unternehmen ab. Die Gruppe
versuchte nun auf dem Landweg in die Zivilisation zurückzukehren. Bei ihrer Nachtwanderung glaubten Einzelne, dass sie an Halluzinationen leiden würden, sahen sie doch ein sich bewegendes, kleines blaues Blinklicht.
Erste Erklärungsversuche, “Das ist die Leuchtreklame von einem Autoscooter!”, “Nein, das ist eine wandernde Borkenkäferfalle!”, waren nicht zielführend. Schließlich stellte sich heraus, dass
es sich um einen entlaufenen Hund handelte, der ein Halsband mit blauen Leuchtdioden trug.
OHA 6 trieb irgendwann am Steg einer Wochenendfischerköte an, dem ersten bewohnten Haus in der Einöde, das sie
allerdings auch nur wegen der Beleuchtung gefunden hatten. Während sich zwei Teammitglieder verzweifelt bemühten, das Boot und die Vorräte an Land zu ziehen, verwickelte Privatdozent W. die herbeieilenden und
staunenden Ureinwohner in eine Grundsatzdiskussion über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Dennoch (oder vielleicht deswegen?) wurde ihnen Asyl gewährt. Das war um so verwunderlicher, als den
hilfsbereiten Einheimischen ihre Mühe zunächst durch Undank gelohnt wurde: als sie nämlich dabei halfen, das gestrandete Kanu auf ihr Grundstück zu ziehen und auf ihr Blumenbeet aufmerksam machten (“Passt auf
das Beet auf!”), wurde das Boot in schnöder Art als Planierraupe gebraucht (das Beet war dann mal weg).
Fast zeitgleich erreichte OHA 3 das rettende Zwischenziel, nämlich dieselbe Köte. Eigentlich
völlig orientierungslos und nachtblind durch Wald irrend, schafften sie es dennoch, in einem 15 Quadratkilometer großen Gebiet das einzige bewohnte Objekt zu erreichen! Eine nautische Meisterleistung, die an die
legendäre Fahrt des ausgesetzten Kapitäns der Bounty, William Blighs, erinnert!! Beschämt lauschten später die anderen Teams am wärmenden Lagerfeuer den Vorträgen über Orientierung im feindlichen Gelände, Große
Wagen, Nordsterne und Moos an Bäumen.
Nachdem sich beide Gruppen vor Glück weinend in den Armen gelegen hatten, gab es Heißgetränke, Kekse und einen Transport zum Campingplatz durch die Gastgeber. Der Dank
von OHA 3 und 6 ist ihnen gewiss, auch wenn Michael B. mit diesem Teil des Trainings nicht zufrieden war („Kaffe, Kekse, Autofahren – Weicheier!“).
OHA 4, mit dem ehrgeizigen Teamleader bestückt,
versuchte verbissen das selbstgesteckte Ziel, Ankunft im Basislager, zu erreichen. Fast wäre es ihnen gelungen, aber 100 m vor der Aller erwischte auch sie das Schicksal in Form einer im Fluss liegenden Baumkrone,
die bei völliger Dunkelheit auch hier zum erneuten Kentern führte. Zwar hatten sie zunächst Glück, da sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Campingplatz strandeten, aber...
- die sich kümmernden Camper waren alle betrunken oder minderjährig, dadurch - waren sie nicht in der Lage Auto zu fahren, - ihr Handy zu bedienen bzw. ein Taxi zu bestellen,
- ganz schlimm: bei dem gereichten Bier (Notversorgung) handelte es sich um warmes Hasseröder!!! Hier half nur Flucht. OHA 4 brach, notdürftig mit Decken als “heilige drei Könige” verkleidet, in mit
Sand gefüllten Badeschuhen, völlig unterkühlt und unterhopft, zu einer knapp 4 km langen Abschlusswanderung auf. Dass das Team unterwegs nicht von einer Polizeistreife eingefangen und in ein Landeskrankenhaus
eingeliefert wurde, ist wahrscheinlich nur dem Sparkurs der Niedersächsischen Landesregierung zu verdanken. Bereits gegen 22.30 Uhr kam damit auch die letzte Crew im Lager an (kurz vor der beabsichtigten
Vermisstenmeldung bei der Polizei...).
Was noch zu berichten wäre: - bis auf Prellungen, Beulen, Schnitt-, Kratz- und Schürfwunden blieben alle Teilnehmer unverletzt...(fast wie früher nach
einem Spiel gegen Südring) - Punks Glocken klingelten erst nach dem Warmduschen wieder... - Verluste: eine Brille und ein Paddel... - nach Aussage des Platzwarts dürfen wir wieder kommen... - Satz eines
Überlebenden: “Hoffentlich glaubt meine Frau nicht, dass ich das Wochenende in einem Sado-Maso-Club verbracht habe!”... - speziell für Michael B., Antwort auf die Frage, warum sich niemand erkältet
hat: eindeutig zurückzuführen auf den härtesten Teil des Survivalwochenendes, den von Jürgen mitgebrachten kroatischen Schnaps, der nur unter der Androhung “Trinken oder zurück auf die Örtze!” angenommen
wurde! - bislang nur ein Gerücht: von jetzt an treffen sich alle Überlebenden des gelungenen ersten Survival-Trainingscamps jedes Jahr am 17. September, um sich an dieses denkwürdige Ereignis gemeinsam zu
erinnern... - 3-Sterne-Koch Michael L. hätte sich den vierten Stern verdient, leider hatte er vergessen, sich eine Kochmütze aufzusetzen, und das führte zu Punktabzügen:
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Fazit der Spartenmitglieder: “Wir haben die Welt verflucht, in den Wind gespuckt und örtziges Wasser geschluckt!”
Fazit des TSC-Präsidenten: “Das Konzept hat mich überzeugt. Ich glaube, dass wir noch viel Spaß an und mit der neuen Sparte haben werden. Über das Budget und den Physiotherapeuten muss allerdings noch verhandelt werden.”
Danke, Michael, für dieses geile Wochenende, wir machen weiter!!
Leichtmatrose Andreas N.
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Erlebnisbericht aus Sicht eines überlebenden Teams
In Erwartung eines ruhigen, sonnigen, zum Relaxen nutzbaren Wochenendes in der
Lüneburger Heide, brachen wir in den frühen Samstagmorgenstunden in Richtung Norden auf. Wie sich wenige Zeit später herausstellte, sollte das ein Irrtum sein.
Direkt nach der Ankunft auf dem zwar idyllisch
gelegenen, aber durch seine Ferne zur Zivilisation recht lebensfeindlich wirkenden Biwakplatz, wurden Zelte aufgebaut, andere logistische Notwendigkeiten errichtet und während einer kleinen Stärkung die Teambildung
vorgenommen.
Die anschließende Autofahrt führte uns noch weiter in die Wildnis, wo wir wider Erwarten noch einmal menschliche Wesen zu Gesicht bekamen.
Wir waren an der Örtze angekommen.
Michael B. hatte verschwiegen, dass die Örtze Wasser führt.
Das kam – zumindest für unser Team – dann doch recht überraschend. Spätestens jetzt war jedem klar, dass es nichts mit Relaxen wird.
Trotzdem zeigten wir Mut und stellten uns dieser Herausforderung.
Bei der Verteilung der uns zur Verfügung stehenden Boote waren wir einen Moment unachtsam und so wurde uns „Osterode 3“ zugeteilt, das
U-Boot, wie sich im Laufe der nächsten Stunden herausstellen sollte. Sogleich nachdem unser Boot in das lebensbedrohlich kalte Nass gesetzt wurde, mussten wir feststellen, dass sich das uns zugeteilte Boot nur
sehr schwer steuern ließ. Ersten Berührungen mit beiden Ufern und einer Havarie mit einem befreundeten Kanu noch vor der ersten Kurve, folgten Bekanntschaften mit im Wasser liegenden Bäumen bzw. mit über dem
tosenden Fluss befindlichen, bedrohlich weit runterhängenden Ästen. Als wir dann nach einer Weile herausgefunden hatten, wie auch das uns zugeteilte Boot zu steuern war,
mussten wir aufgrund der plötzlich, dafür aber heftig einsetzenden Dunkelheit aus Sicherheitsgründen unterbrechen.
Was war in den vergangenen 5-6 Stunden geschehen?
Kurz gesagt, Überlebenskampf pur!
- Mehrfache Unterwasserfahrten mit „unserem U-Boot“. - Unfreiwillige Bäder in der (schweinekalten) Örtze (ein Team-Mitglied hätte beim Bibbern fast Zähne verloren).
- Die Erkenntnis, dass Männer und Frauen nach so einem Kältebad anatomisch doch nicht sooo unterschiedlich sind. - Nach jedem Kentern, das Durchführen der medizinisch notwendigen gymnastischen Übungen sowie die
Einnahme von Getränken zur Erhaltung der wichtigsten lebensnotwendigen Systeme.
- Die Gewissheit, dass wir jeden Baum oder seine Teile mit irgendeinem Körperteil berührt hatten, egal ob der Bach 2 m oder 20 m
breit war. - Keiner, der nicht irgendwelche Blessuren, Kratzer oder andere mehr oder weniger leichte Verletzungen davongetragen hat – ganz zu schweigen von den seelischen Brandmarkungen.
- Die Erfahrung, dass auch sonst ruhige Mitbürger temporär zu Meckerpötten mutieren können, nicht wahr, Michael D.!?!
Es sollte aber noch die Lehre hinzukommen, dass die Heide in dieser Gegend ein sehr dünn
besiedelter Landstrich ist und ohne modernes Kommunikationsgerät nicht durchstreift werden sollte.
Nachdem wir also das Wasser verlassen, die letzten kargen Getränke- und Nahrungsreste verzehrt hatten, hieß
es erst einmal sich zu orientieren. Nach kurzer Beratung ließen wir alles Überflüssige, wie Kanu, nasse Kleidung und die von der Örtze verschluckten Gegenstände (u. a. eine Brille) zurück.
Der reißende
Strom hatte uns viel genommen und abverlangt – aber er konnte uns und unsere gute Grundstimmung nicht brechen. Letztendlich waren wir stärker.
Wir setzten also den Weg in Richtung des von uns vermuteten Basislagers notdürftig bekleidet in Schwimmschuhen fort. Den anfänglichen frohen Gesprächen, den kalten Fluten doch einigermaßen glimpflich entkommen zu
sein, folgten bald eine gewisse Stille und eine Erhöhung der Schrittfrequenz.
Selbst der Meckerpott verstummte.
Nach gefühlten 6,32 km strammen Fußmarsches schnurstracks geradeaus auf einem schmalen
Waldweg, keimte neue Hoffnung auf. Zwischen den Bäumen war so etwas wie Licht zu sehen.
Einige Meter weiter wurden die Hoffnungen gedämpft. Ingo D. meinte, es handele sich um eine „Borkenkäferfalle“.
Eine andere Meinung war, dass es sich um ein markiertes gefährliches Tier handeln könnte (in dieser Einöde neu angesiedelter Braun- oder Grizzlybär).
Also ließ man das blau blinkende Etwas zurück und folgte weiter dem geraden Weg.
Holger W. war es dann, der davon sprach Halluzinationen zu haben, da die „Borkenkäferfalle“ uns folge. Tatsächlich hatte
sich das blau blinkende Unbekannte uns in unserem Rücken bis auf ca. 150 m genähert.
Jetzt überschlugen sich die Ereignisse. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein Auto auf – am Steuer eine junge
Frau, die ihren entlaufenen mit einem blau blinkenden Halsband ausgerüsteten Hund suchte.
Und wenige Meter hinter dem Auto waren auf einmal bekannte Gesichter eines ebenfalls von der Dunkelheit überraschten
Teams zu sehen. Wolfgang K., Reza M. und Hartwig L.
Diese waren kurz zuvor den Fluten entronnen und hatten auf Ihrem Weg an Land erst einmal mit ihrem Schlachtschiff ein Beet platt gemacht. Umso wundersamer
war die Gastfreundschaft der so geschädigten Familie, die alle Gestrandeten, trotz Ihres Aussehens, das eher an Entlaufene einer geschlossenen Anstalt erinnerte, erfuhren.
Diese lud uns in ihr in diesem Teil
der Welt völlig unvermutet stehendes Ferienhaus zu heißen Getränken und Keksen ein. Am Bollerofen kamen dann die Lebensgeister schnell zurück.
Wir waren der Zivilisation wieder ein Stück näher gekommen.
Mit Hilfe dieser hilfsbereiten Eingeborenen erreichten wir dann kurze Zeit danach das Basislager. Als dann später noch das vermisste Team um den Organisator Michael B. in seltsame Gewänder gehüllt, aber durchaus
fit, zur Gruppe fand, konnten wir uns alle, dank der im Voraus getroffenen logistischen Vorsorge über die Nacht retten. Resümee
Erfolgreiches Absolvieren eines Survival-Triathlon, bestehend aus Boot fahren, Schwimmen und Nachtmarsch. Schon lange nicht mehr so viel Spaß auf einem Haufen gehabt.
Was so alles passieren könnte, wenn man mit den falschen Personen in einem Boot sitzt: - kein Bier an Bord zu haben - einen nassen Hut auf zu haben - ohne Grund zu kentern
- einen Steuermann an Bord zu haben - den Mut zu verlieren - irgend eine Ahnung vom Kanu fahren zu haben
Aber nichts von alledem passierte.
Weil wir einfach ein gutes Team waren!
Jürgen H., Leutnant zu Wasser und zu Lande
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Die Gründungsmitglieder der “Survival-Sparte”
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